Sport- und Waldklimapfad Straubenhardt

Tafel 10: Lebendiges Totholz

Bäume sind - wie wir Menschen auch - nicht mit einem ewigen Leben gesegnet. Mit zunehmender Größe wird der Baum anfälliger, seine Abwehrmechanismen gegen Fressfeinde lassen nach. Gerade bei sehr alten Buchen ist das derzeit vielerorts zu beobachten; der mächtige Stamm wird von seiner Krone her schütter und dürr, der Baum stirbt. Bei reiner Altersschwäche kann sich dieser Prozess je nach Baumart über mehrere Jahre hinziehen. Kommen Krankheiten oder Schadinsekten hinzu, geht es schneller.

Absterbende Bäume gehören zum Kreislauf eines natürlichen Waldes und bilden nach und nach sogenanntes Totholz. Bis der Baum ganz verrottet ist, durchlebt er unterschiedliche Zersetzungsstufen. Gerade die Übergangsphase vom lebenden zum toten Baum bietet einen Lebensraum für eine Vielzahl von Lebewesen: Insekten, Pilze, Moose und Flechten

Lebenszyklus des Waldes

In Wäldern wird zwischen verschiedenen Lebensstadien unterschieden. Es gibt Wald, der sich hauptsächlich in der Verjüngung befindet und aus kleinen und dünnen Bäumen besteht. Bei Wald in der sogenannten „Optimalphase“ wächst Holz zu, die Bäume werden dicker und werden geerntet. Alte, ungenutzte Wälder befinden sich oft in der Zerfallsphase.
Ohne den Einfluss des Menschen kommt es regelmäßig zu klein- bis großflächigen Störereignissen, beispielsweise Feuer, Sturm oder Borkenkäferfraß. Diese führen oft auch dazu, dass Bäume absterben und Totholz entsteht. Da der Mensch ein Interesse am nachwachsenden Rohstoff Holz hat, wird die Zerfallsphase möglichst umgangen, um gesundes Holz ernten zu können.

Wenn Holz vor dem Zerfall geerntet wird, bleibt der darin gebundene Kohlenstoff auch weiterhin dort gespeichert. Zerfällt das Holz wird der Kohlenstoff hingegen nach und nach freigesetzt. Gleichzeitig verstehen die Forstfachleute wir immer besser, wie wichtig gerade absterbende und tote Bäume im Wald sind. Die Balance zwischen Deckung des Holzbedarfs und Belassen von Totholz als Lebensraum zu finden, ist eine große Herausforderung für die Förster.

Totholz FichteAbsterbender Baum mit Baumpilzen, Quelle Enzkreis

Oft sieht es deshalb für die Besucher im Wald „unaufgeräumt“ aus, wenn Stammteile, Kronen und Äste einfach liegen bleiben. Die Nährstoffe, die im Totholz und Kronenteilen gespeichert sind, werden aber wieder in den Boden abgegeben und reichern ihn für noch lebende Bäume an. So schließt sich der Nährstoffkreislauf.

Grafik NährstoffkreislaufDer Nährstoffkreislauf im Wald, Grafik: Anna Eickhoff

Wie viel Totholz braucht der Wald?

Da es in Deutschland keine Urwälder, das heißt vom Menschen unbeeinflusste Waldbestände, mehr gibt, orientiert man sich an osteuropäischen Urwaldrelikten. Dort liegt der „natürliche“ Totholzanteil bei 100 bis300 Kubikmeter/Hektar (m3/ha). Unter 30 m3/ha geht die Artenvielfalt rapide zurück. Deshalb empfehlen Experten mindestens 30 m³ Totholz auf einem Hektar zu belassen.

Was bedeutet Totholz für den Waldbesucher?

Stehendes, dickes und von der Sonne beschienenes Totholz ist ökologisch besonders wertvoll. Gleichzeitig können von solchen Bäumen immer wieder Äste und ganze Kronenteile abbrechen, vor allem bei Wind oder Schnee. Dies kann sehr plötzlich und unerwartet passieren. Im Wald ist mit diesen waldtypischen Gefahren zu rechnen. Deshalb bei Wind und Sturm lieber nicht im Wald unterwegs sein und von abgestorbenen Bäumen Abstand halten und keinesfalls am Stamm rütteln!

Auch Profis sind sich der Gefahr bewusst und setzen dann spezielle Arbeitstechniken und Maschinen ein. An öffentlichen Straßen gibt es eine Verkehrssicherungspflicht. Das heißt, dass Bäume, die eine Gefahr für Mensch und Verkehr darstellen können, gefällt oder zurückgeschnitten werden müssen.

Tipps:

Totholz im Garten

Lassen Sie auch im Garten ein bisschen Totholz stehen oder liegen – die Tiere freuen sich und Sie haben etwas zum Beobachten. Ist beispielsweise der alte Apfelbaum im Garten irgendwann nicht mehr grün und ertragreich, kann er dennoch guten Gewissens stehengelassen werden. Besonders Käfer und Spechte freuen sich daran. Außerdem ersparen Sie sich das mühevolle Ausgraben der Wurzeln, denn diese verrotten nach und nach von selbst.

Schutz der Waldameisen

Wichtig für das Waldökosystem sind Ameisen. Die Nester der Waldameise sind kleine Kunstwerke. Bis zu zwei Meter ragen die aus Nadeln, Holzstückchen und Harzklumpen zusammengetragenen Hügel in die Höhe. Unter der Erde setzt sich das Nest fort. In der Regel ist es mindestens so tief wie hoch. Wer ein Stock oder ähnliches in diese Gebilde bohrt, gefährdet das gesamte Ameisenvolk: Daher Hände weg von Ameisenhügeln!

AmeisenhügelEin Ameisenhügel ist ein natürlichen Kunstwerk im Wald, Quelle Enzkreis:

Quellen:

www.wald.de/waldwissen/das-oekosystem-wald/was-ist-totholz-wie-viel-braucht-der-wald-davon/, aufgerufen am 13.08.2021
Wald-Fibel App, Bundeministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), BMEL - Wald in Deutschland - Die Waldfibel als mobile App und Broschüre, aufgerufen am 13.08.2021