Die Familie Wilhelm Ganzhorn

Krone für unser Heimatlied "Im schönsten Wiesengrunde"

Die Wahl fiel eindeutig aus: Das Straubenhardter Heimatlied "Im schönsten Wiesengrunde" wurde zum beliebtesten deutschen Volkslied gekürt. Und das zur besten Sendezeit im "Ersten". Moderator Gunther Emmerlich überreichte während einer Live-Sendung in der Stadthalle Chemnitz die "Krone der Volksmusik". Mit dem Preis gewürdigt werden alljährlich künstlerische Leistungen in verschiedenen Kategorien der volkstümlichen Musik.

- Bericht von Jörg Bannach / Pforzheimer Zeitung -

Zu den Preisträgern am Samstagabend gehörten unter anderem der Komponist und Musiker Slavko Avsenik und die Geschwister Hofmann. Daneben setzten die Zuschauer aus einer Auswahl von zwölf bekannten Titeln die Zeilen des ehemaligen Oberamtsrichters Wilhelm Ganzhorn an die Spitze der Volkslied-Hitliste.

Überrascht aber auch gleichzeitig erfreut zeigte sich Jürg Arnold, Urenkel des Richters und Dichters, von der Wahl: "Das ist ein fantastisches Ergebnis." Arnold, der in Ostfildern seinen Lebensmittelpunkt hat, pflegt immer noch enge Beziehungen zu der Gemeinde Straubenhardt und ihren Bürgern. Stand doch schließlich in Conweiler im Gasthaus "Rößle" die Wiege seiner Urgroßmutter Luise. Und in der "Dichterecke" der Wirtschaft liegt der Ursprung des Liedes "Im schönsten Wiesengrunde."

Dort hat im Jahr 1850 der Amtsgerichtsreferendar Wilhelm Ganzhorn die Verse niedergeschrieben, als er von Neuenbürg nach Aalen versetzt wurde. Magisch führte ihn sein Weg immer wieder von der damaligen Oberamtsstadt im Tal der Enz über Schwann nach Conweiler, um im "Rößle" einzukehren. Kein Wunder, denn die Wirtstochter war seine Braut. Ganzhorn nächtigte in besagter Dichterecke, und seine Braut fand am nächsten Morgen einen Abschiedsgruß vor, die Zeilen für "Im schönsten Wiesengrunde". Zu Papier brachte er 13 Verse, gesungen werden jedoch nur die erste und die beiden letzten Strophen. Die Melodie stammt aus der Feder Friedrich Silchers.

Im Januar 1855 heiratete Wilhelm Ganzhorn seine Braut Jacobine Luise Alber in der Kirche zu Feldrennach. Der Wunsch des Dichters, "in Tales Grunde" begraben zu werden, ging nicht in Erfüllung. Er verstarb 1880 als Oberamtsrichter in Cannstatt. An seinem Grabe erklang sein bereits zum Volkslied gewordenes Lied "Im schönsten Wiesengrunde".

In der Fremde hoch im Kurs

Obwohl andere Orte mit Wiesentälern sich dieses Lied schon zu eigen machen wollten, ließ Ganzhorn schon zu Lebzeiten sehr deutlich erkennen, "dass es sich unmissverständlich um das Tal hinter dem "Rößle" in Conweiler handelt, schreibt der Chronist Albert Käser in seiner "Geschichte eines Heimatliedes". Für Jürg Arnold geben die drei gesungenen Verse die Heimatliebe seines Urgroßvaters am besten wieder. Dass sei wohl auch der Grund, das Text und Melodie bei Deutschstämmigen in der Fremde hoch im Kurs stehen. Von Brasilien über Südafrika und Kasachstan bis Australien erklingen Ganzhorns Verse, wenn es darum geht, sich der alten Heimat zu erinnern.

Zum 125. Mal jährt sich am 9. September 2005 der Todestag des Dichters. Aus diesem Anlass wird Jürg Arnold ein Buch über seinen berühmten Ahnen herausbringen. Das Manuskript ist bereits fix und fertig. Auf mehr als 300 Seiten finden sich Geschichten und Chroniken aus dem Leben seines Urgroßvaters, seiner Frau Luise und deren Familie Alber. Abgerundet wird das Werk durch einen besonderen Teil mit zahlreichen Gedichten aus der Feder Wilhelm Ganzhorns, die der Öffentlichkeit weit weniger bekannt sind als sein berühmtes "Im schönsten Wiesengrunde".