Im Teil 5 unserer Inforeihe zum Feuerwehrhaus gibt Architekt Ingmar Menzer weiter Antworten auf Fragen zum Konzept. Fotos: Gemeinde

aus 6 mach 1: Das Konzept (II)

Fortsetzung der Inforeihe zum Projekt Feuerwehrhaus (Teil 5)

Das Leben auf der Baustelle steht nicht still. Wenn auch die Arbeiten Corona-bedingt etwas stocken, so hat sich in den vergangenen zwei Monaten etwas getan. Wir möchten daher unsere Inforeihe fortsetzen – mit dem zweiten Teil des Interviews mit Architekt Ingmar Menzer zum Konzept und Thema Cradle to Cradle.

Kreislauffähiges Bauen, was sind die Voraussetzungen, was muss beachtet werden?

Cradle to Cradle (C2C) ist das Gesamtkonzept für ein nachhaltiges Gebäude. Alle verwendeten Materialien und Produkte können gänzlich und ohne Rückstände in biologische oder technische Kreisläufe zurückgeführt werden – sollte das Gebäude einmal rückgebaut werden. Die Herausforderung beginnt also bereits bei der Planung und der Entscheidung der zu verwendenden Baustoffe. Wir lassen uns zum Thema C2C von dem Stuttgarter Büro Drees & Sommer beraten, das unter anderem die Materialpässe für das Gebäude erstellt. Diese geben detailliert Auskunft darüber, welche Materialien verbaut wurden.

Ist es schwierig, das „Cradle to Cradle“-Prinzip in die Realität umzusetzen?

Es ist eher ungewohnt, weil man bislang eine andere Bauweise gewohnt war. Im Moment müssen wir noch nach vielen Materialien suchen. Aber einige Hersteller haben den Bedarf an solchen Materialien erkannt und bieten inzwischen Produkte an, die einen Recyclinganteil aufweisen oder aber später rezyklierbar sind. Je mehr Projektbeteiligte für Recyklierbarkeit und Materialkreisläufe sensibilisert sind und sich dafür begeistern, desto besser und reibungsloser wird uns auch die Umsetzung gelingen. Es wird irgendwann kaum mehr gesundheitsschädliche Produkte geben. Das ist die Zukunft des Bauens.

Wo konkret ist die C2C-Bauweise sichtbar?

Der Ansatz steckt im ganzen Haus. Zum einen ist die bebaute Grundfläche dank der Nutzung der Hanglage und der Stapelung der Nutzflächen so weit wie möglich minimiert. Zum anderen wird jede Materialentscheidung vor diesem Hintergrund getroffen: Ist es frei von Giftstoffen? Ist es recyclefähig? Wo sind positive Effekte? Der dazu erstellte Materialpass gibt darüber Auskunft, welche Produkte und Materialien verbaut wurden und zählt sämtliche Inhaltsstoffe auf. Ein „gutes“ Haus ist ein Speicher „guter“ Materialien, die auch später wieder weiter verwendet werden können.

Welche Materialien werden eingesetzt, welche nicht?

Wir suchen nach „guten“ Materialien, die zu einem gesunden Raumklima beitragen und unsere Gesundheit nicht beeinträchtigen. Wir suchen nach nachhaltigen Materialien, die sich bei einem Rückbau einfach trennen und danach wieder verwenden lassen. Wir setzen zum Beispiel keine ausdünstenden Farben ein, keine Kunststoffbeschichtungen und Verbundmaterialien. Das ist Sondermüll, den man später nicht mehr trennen kann.
Die Bodenplatte in der Fahrzeughalle zum Beispiel ist aus veredeltem Beton – einem homogenen, recyclebaren Material. Wir setzen viel Metall und unbehandeltes Holz ein. Die in das Material geflossene Energie ist auch noch nach Jahren erhalten. Und nutzbar. Zudem realisieren wir eine Dachbegrünung, mit der eine hohe Artenvielfalt erreicht werden soll. Das Regenwasser, das auf dem Grundstück versickert, wird aufgefangen und für Feuerwehrübungen gespeichert.

Ist es teurer, so zu bauen?

Vergleicht man die Gesamtkosten zu einem „herkömmlich“ gebauten Gebäude, also die Summe der Bereitstellungskosten (Grundstück), die Herstellungs-, Bewirtschaftungs- und Abbruchkosten, dann ist ein C2C-Gebäude vermutlich eher günstiger. Eventuelle Mehrkosten der Herstellung holt man später im Nutzungsprozess wieder rein. Der Mehraufwand des Projektes steckt vor allem in der Intelligenz der Planung. So lassen sich wertvolle Ressourcen einsparen und wir erzielen einen Gewinn, von dem die gesamte Gesellschaft profitiert.

Gibt es Gewinne, die den zunächst höheren Aufwand rechtfertigen?

Wie wollen wir in Zukunft bauen? Welche Erwartungen stellen wir langfristig an unsere Gebäude? Bei einem zukünftigen Rückbau des Gebäudes ist das neue Feuerwehrhaus keine problematische Schadstoffimmobilie, sondern ein wertvoller Rohstofflieferant. Es ist als künftige Materialressource zu betrachten, und nicht als Sondermüll. Die Gewinne stecken außerdem in den geringeren Bewirtschaftungskosten des Gebäudes, in der Mehrfachnutzung der Parkplatzfläche und im vergleichsweise geringen Flächenverbrauch und damit auch geringeren Flächenkauf. Mit diesem Gebäude geben wir also auch eine Antwort auf die Frage nach dem zukünftigen Bauen.

Was bedeutet das?

Wir bauen ein Gebäude, das durchweg positive Einflüsse auf die Gesundheit der Nutzer, aber auch auf sein gesamtes Umfeld haben wird. Dieses Gebäude wird darüber hinaus eine Strahlkraft über die Gemeinde Straubenhardt hinaus entwickeln, das öffentliche und private Interesse auf die Gemeinde ziehen und dadurch weitere Vorteile generieren, die sich vielleicht erst Jahre nach dem Bau genau beziffern lassen.

Aktuelle Bilder von der Baustelle:

Außenansicht FW HausAußenansicht

FahrzeughalleBlick in die Fahrzeughalle

Teil AlarmparkplätzeTeil der Alarmparkplätze

Blick auf TreppenhausBlick auf das Treppenhaus