Eindrucksvolle grüne Außenfassade: Der Gemeinderat besuchte das "Cradle to Cradle"-Rathaus in der holländischen Stadt Venlo.

Gemeinderat von holländischer Bau- und Arbeitskultur beeindruckt

Straubenhardter Gremium, Bürgermeister und Fachbereichsleiter besichtigen „Cradle-to-Cradle“-Rathaus in Venlo – Gebäude mit grünen Wänden, hoher Luftqualität und flexiblen Arbeitsplätzen

Pflanzen an der Außenfassade, Betonwände ohne Giftstoffe und Möbel aus wiederverwertbaren Materialien – das Rathaus in Venlo macht vor, was „Cradle to Cradle“ (C2C) heißt. 2016 wurde das neunstöckige Verwaltungsgebäude in der niederländischen Stadt nahe der deutschen Grenze bezogen. Es wurde nach dem C2C-Prinzip gebaut, das für erweiterte Nachhaltigkeit steht und auch in Straubenhardt beim neuen Feuerwehrhaus umgesetzt werden soll. Die Gemeinderäte haben den 53-Millionen-Euro-Bau daher mit Bürgermeister Helge Viehweg und den Fachbereichsleitern als Praxisbeispiel im Rahmen einer Lehrfahrt zum Abschluss der Legislaturperiode besichtigt – und waren beeindruckt. „Ich beglückwünsche alle Menschen, die hier arbeiten dürfen“, sagte Bürgermeister Viehweg nach Vortrag und Führung durch das offen und gesund gestaltete Stadthaus.

GR vor Rathaus in VenloIm Rahmen einer Lehrfahrt zum Abschluss der Legislaturperiode reiste Bürgermeister Helge Viehweg (links) mit Gemeinderäten, Fachbereichsleitern und Partnern nach Venlo.

BegrüßungDer Projektmanager des Hauses, Michel Weijers (rechts), begrüßte Bürgermeister Helge Viehweg und seine Begleiter.

„C2C ist nicht das Ziel, sondern ein Weg, um unsere Region zu positionieren und attraktiver zu machen.“ (Michel Weijers)

2007 beschloss die 100000-Einwohner-Stadt, den Weg mit C2C einzuschlagen. Realisiert wurde das von Professor Michael Braungart entwickelte Konzept der Kreislaufwirtschaft zunächst in Bauprojekten, später auch in Sozialprojekten, Veranstaltungen oder Ausschreibungen. Braungart war erst Anfang des Jahres zu Gast in Straubenhardt. „Wir wollten ein Gebäude, das Venlo besser macht“, sagte Michel Weijers, Projektmanager des Gebäudes und Geschäftsführer der Stiftung C2C Expo-Lab. Geschaffen wurde ein eindrucksvolles Haus, das nicht nur Energie erzeugt und Wasser reinigt, sondern auch eine flexible Arbeitskultur pflegt. „Alle 1000 Mitarbeiter haben ihren Schreibtisch verloren“, so Weijers. So gebe es nur 750 Arbeitsplätze, die geteilt werden – selbst der vom Bürgermeister. „Das war kein Spaziergang“, verdeutlichte der Gebäudemanager die Proteste im Vorfeld.

Führung durchs HausViele Eindrücke erhielten die Straubenhardter bei der Führung durch das neunstöckige Gebäude.

Anders denken und andere Fragen stellen

In zwei Gruppen ging es die Treppen hinauf. Diese bestehen aus Kiefernholzlamellen, die mit Essig behandelt wurden und 40 Jahre nicht gestrichen werden müssen. Spürbar saubere Luft strömt durch das Haus, viermal in der Stunde erfolgt ein Luftaustausch. An diesem Freitagnachmittag ist es ruhig, 2000 Kunden frequentieren sonst das Rathaus. Sie kommen mit Termin, melden sich über einen Terminal an – und sitzen mit dem Personal auf bequemen Sofaecken. Die meisten Arbeitsbereiche sind nicht hinter verschlossenen Türen: „Die Bürger dürfen die Beamten ruhig frei sehen“, so der Manager. Auf allen Etagen gibt es Schließfächer, fast alles wird elektronisch erledigt. Fax? Gibt es schon seit Jahren nicht mehr. Die meiste Post käme aus Deutschland. Ganz oben unterm Dach gibt es es eine Art Gewächshaus mit grünen Wänden, das Wärme für den gesamten Komplex liefert, ganz unten 450 Fahrradstellplätze und Duschen. Alles auf einmal könne man nicht umsetzen, so ein C2C-Projekt sei ein Prozess. Wichtig, so Michel Weijers, sei es aber, andere Fragen zu stellen und sich zu überlegen, wo und warum der Weg hingeht. „Es sollte zu euch passen“, empfahl der überzeugte C2C-Kenner den Straubenhardtern zu fokussieren.

Arbeitsbereiche Besonders beeindruckt waren die Gäste von den bequemen und für die Bürger sichtbaren Arbeitsbereiche.

Noch voller Eindrücke vom Venloer Stadthaus ging es am nächsten Tag nach Maastricht, wo die Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter eine lustige Rundfahrt im gelben „School Bus“ unternahmen. Die im 13. Jahrhundert erbaute Festungs- und Universitätsstadt ist eine der ältesten der Niederlande. Bis 1985 gab es etwa eine Kermikfabrik. Hupend, schaukelnd und mit Musik fuhr der Bus vorbei am Schloss von André Rieu, am alten Binnenhafen oder am Provinzgebäude, wo 1992 der Vertrag von Maastricht unterzeichnet wurde. Auch eine Bootsfahrt entlang der Maas und individuelle Stadterkundungen standen auf dem Programm, bevor sich die 31-köpfige Gruppe am nächsten Morgen auf den Heimweg machte – inspiriert, fasziniert und auch ein bisschen erschöpft.

Maastricht, GruppenbildAuf dem Heimweg machte die Delegation einen Zwischenstopp in Maastricht, wo sie eine Bus- und Bootstour unternahm.