Fast 250 Gäste - dreimal so viele wie im vergangenen Jahr - waren vom lockeren Programm und Ambiente begeistert. Für Stimmung sorgten die "Night Kings".

Großartige Stimmung beim Straubenhardter Jahresauftakt

Kurzweilige Feierstunde mit fast 250 Gästen in Feldrennach – Provokant-unterhaltsamer Vortrag von C2C-Professor Michael Braungart, mitreißende Musik und rege Gespräche an acht Thementischen

Lob von allen Seiten gab es beim zweiten Jahresauftakt der Gemeinde Straubenhardt in der Festhalle Feldrennach. In lockerer Atmosphäre kamen fast 250 Gäste miteinander ins Gespräch – dreimal so viele wie im vergangenen Jahr. „Wir sind begeistert“, sagte Bürgermeister Helge Viehweg, der sich wünschte, dass dies im nächsten Jahr so weitergeht. Bestens kamen die „Night Kings“ mit Tamara Gies am Saxofon, Jeany Gruber am Akkordeon und Hans Grieb am knallroten Kontrabass an. Als wahre Stimmungskanonen zogen die Musiker der Walking Band aus Baden-Baden von Tisch zu Tisch, unterhielten das Publikum beim Sektempfang, auf der Bühne und beim Essen. Sogar vor den Zuschauerreihen machte die Saxofonistin nicht Halt, stieg auf einen Stuhl und blies zur Freude der Gäste ins Blech. Kurzweilig waren auch der Bilderrück- und Ausblick von Bürgermeister Viehweg sowie der provokant-unterhaltsame Vortrag von Cradle-to-Cradle-Pionier, Prof. Dr. Michael Braungart. Der weltweit gefragte Redner, der auch ins Goldene Buch der Gemeinde schrieb, nahm sich anschließend Zeit für Gespräche. Viele waren wegen Braungart gekommen, umringten ihn mit großem Interesse. Insgesamt gab es acht Thementische, in die Jürgen Hörstmann vom Landratsamt Enzkreis einführte und an denen sich Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter mit den Bürgern über ihre Ideen zur diesjährigen Agenda austauschten. Auch Jugendgemeinderätin Charlotte Föller brachte sich ein – bei der „Jugendarbeit“ und gut besuchten Kinderbetreuung. Besonders gefragt waren die Themen Mostklinge, Energie und Lärmaktionsplanung. Auch ein Kummerkasten stand bereit. Lecker bewirtet wurden die Gäste vom Turnverein Feldrennach sowie Johannes Greb und Walther Schmidt von der Firma Häselbräu, die handgebrautes Bier aus Pfinzweiler zapften. Zudem gab es einen Fairtrade-Stand.

Viele BesucherZahlreiche Besucher kamen in die Festhalle Feldrennach.

Stimmung am TischDie lockere und heitere Stimmung mit Musik der Walking Band erfreute die Gäste.

„Cradle to Cradle ist eine Kultur der Unterstützung“: Vortrag von Prof. Dr. Michael Braungart

Ob es es ein deutsches, griffiges Wort für „Cradle to Cradle“ (kurz: C2C) gebe, wollte Bürgermeister Helge Viehweg wissen. Prof. Dr. Michael Braungart konterte, die Endung „le“ würde doch gut ins Schwabenländle passen. Bei dem innovativen Designkonzept geht es dem C2C-Pionier zufolge darum, „gut zu sein als weniger schlecht“ und Dinge wie Waschmaschinen zu nutzen statt zu kaufen. Wurde 3000-mal gewaschen, müsste das Gerät an den Hersteller zurück und weiterverwendet werden. „Dann gibt es keinen Müll“, so der Lüneburger Professor und Gründer von EPEA Internationale Umweltforschung in Hamburg. C2C erfordere ein neues Denken. Giftstoffe sollten erst gar nicht verwendet werden. „C2C ist ein Wirtschafts-, Sozial- und Kulturkonzept, eine Kultur der Unterstützung, nicht der Reduzierung“, sagte der Chemiker bei seinem freien und durchaus sarkastischen Vortrag. So solle es beim nächsten Jahresauftakt lieber Austern statt Hefezopf geben, damit die Gäste viel Mikroplastik aus dem Meer zurückschlürfen könnten. Auch Mütter könnten sich umso mehr entgiften, je mehr Kinder sie stillten. Dennoch sei Stillen besser als jedes Nestle-Milchpulver. Braungart provozierte aber nicht nur, sondern lobte auch: „Sie haben einen tollen Bürgermeister.“ Echte Innovation brauche jedoch Zeit und Vertrauen. Das neue Feuerwehrhaus, das nach dem C2C-Prinzip gebaut werden soll, könne eine Materialbank werden, wenn alle Rohstoffe hinterher wiederverwendbar wären.

Gastredner beim VortragSarkastische, aber auch lobende Worte für Straubenhardt fand der weltweit gefragte Gastredner, Prof. Dr. Michael Braungart.

„Für ein gutes Miteinander in der Gemeinde“: Ausblick von Bürgermeister Helge Viehweg

Mit der neu erworbenen David-Skulptur ging Bürgermeister Helge Viehweg ans Pult. Dieser David stehe für den Umgang mit Macht, für den Kampf von Klein gegen Groß und ein offenes Miteinander. Deshalb zierte er später den Thementisch „Wie wir in Straubenhardt miteinander umgehen“. Dass Straubenhardt „auf dem Weg bleibt“, machte Viehweg bei seinem Ausblick deutlich. Ein zentrales Thema bildet etwa der Neubau des Feuerwehrhauses für acht Millionen Euro, 2019 wurden 4,3 Millionen Euro eingeplant. Zudem sollen neue Feuerwehr-Fahrzeuge beschafft, Schulen saniert und auf LED umgerüstet werden. Vorangehen soll es auch in Sachen Infrastruktur und beim bezahlbaren Wohnraum. „In Straubenhardt ist die Zeit reif“, sagte Viehweg in Bezug auf ein mögliches Verwaltungszentrum.

Bürgermeister bei PräsentationBürgermeister Helge Viehweg zeigte viele Bilder bei seinem Rück- und Ausblick, darunter auch den Entwurf des neuen Feuerwehrhauses.