Über 60 Besucher kamen zu "Wir müssen reden!... über die Hoffnungshäuser" in den Bürgertreff. Fotos: Gemeinde

Großes Interesse an „Wir müssen reden!“-Abend im Bürgertreff

Aktives Zusammenleben in den Hoffnungshäusern: Projektleiterinnen der Hoffnungshäuser Stiftung berichten von ihren Erfahrungen - Gesprächsreihe widmet sich ab diesem Jahr neuen Projekten in der Gemeinde

Mit so vielen Besuchern hatte Bürgermeister Helge Viehweg – auch angesichts des stürmischen Wetters – nicht gerechnet. „Ich bin total begeistert“, sagte er beim „Wir müssen reden!“-Abend im Bürgertreff, der sich um die zwei Hoffnungshäuser in der Max-Planck-Straße drehte. Die 2017 eingeführte Gesprächsreihe widmet sich ab diesem Jahr neuen Projekten in der Gemeinde. Über 60 Besucher waren gekommen, um sich über das integrative Wohnkonzept zu informieren und mit dem Bürgermeister sowie den Projektleiterinnen der Hoffnungshäuser Stiftung, Sabine Hoene und Angelika Röhm, auszutauschen. Unter den Gästen waren auch einige Gemeinderäte sowie Vertreter des Netzwerks Asyl.

Bevor jeder seine Fragen stellen konnte, gab es eine Kurzbesichtigung vor der Baustelle und eine Einführung des Bürgermeisters. So sei das Konzept 2016 im Rahmen einer Gemeinderatssitzung vorgestellt worden, 2017 folgte ein Informationsabend für Anwohner. Seit September 2019 werde gebaut, im März 2020 soll eine Kooperationsvereinbarung zwischen Gemeinde und Stiftung abgeschlossen werden, danach soll das Auswahlverfahren beginnen und im Sommer der Bau fertiggestellt werden.

„Ziel ist, Menschen mit Fluchterfahrungen und Menschen, die bezahlbaren Wohnraum suchen, eine Heimat zu bieten“, sagte Viehweg. Eine gute Durchmischung werde angestrebt. So sollen die Häuser zu jeweils 50 Prozent zur Anschlussunterbringung von Geflüchteten und von Einheimischen mit Wohnberechtigungsschein genutzt werden.

Wir müssen redenDer Bürgermeister im Austausch mit den Besuchern.

Beteiligung und Ehrenamt wichtig

„Wichtig ist uns, dass sie nicht nur dort wohnen, sondern sich auch aktiv beteiligen“, unterstrich Angelika Röhm, die seit 2016 selbst mit ihrer Familie in einem Hoffnungshaus in Leonberg lebt und von ihren Erfahrungen berichtete. 90 Menschen aus neun Nationen wohnen dort unter einem Dach, essen gemeinsam oder gestalten interkulturelle Abende. „Ich merke immer wieder: Wenn Menschen sich begegnen, werden sie bedeutsam füreinander“, so die Bereichsleiterin Nationale Programme. Gesellschaft und Ehrenamt sowie ein Austausch auf Augenhöhe seien wichtig – ebenso, Perspektiven für die Menschen zu entwickeln.

„Das Konzept lebt vom ehrenamtlichen Einsatz“, sagte auch Sabine Hoene, die Impressionen von bereits existierenden Häusern zeigte. Sie stellte Konzept und die 2013 durch Tobias Merckle gegründete Hoffnungsträger Stiftung vor. „Sein Anliegen war, in Menschen zu investieren“, so Hoene. In Straubenhardt sollen 14 Wohnungen entstehen, die Miete liege um 33 Prozent unter dem ortsüblichen Vergleichswert. Geplant seien 70 Prozent geförderter Wohnraum. Als Standortleitung wurde bereits Christoph Flassak gefunden, der mit seiner jungen Familie einziehen wird. Wissbegierig erkundigten sich die Besucher über Kaution, Bezugsgröße, Bewerbungsprozess oder die Möglichkeit für Wohngemeinschaften und Betreuung im Alter, die nicht gewährleistet werde. Ebenso was passiere, wenn sich jemand der Hausgemeinschaft entziehe: „Das ist bisher ist in keinem einzigen Hoffnungshaus passiert“, betonte Röhm die erfahrungsgemäß positive Entwicklung. Das Haus soll ein offener Ort sein – auch für die Nachbarschaft. Bürgermeister Helge Viehweg zeigte sich froh über das Interesse der Stiftung an kleineren Kommunen wie Straubenhardt: „Auch im ländlichen Raum ist der integrative Ansatz notwendig. Diesen gilt es nun, mit Leben zu füllen.“

Projektleiterinnen HoffnungshäuserDie beiden Projektleiterinnen der Hoffnungshäuser Stiftung, Angelika Röhm (links) und Sabine Hoene, berichteten von ihren Erfahrungen.

Sabine Hoene stellt Konzept vorSabine Hoene (stehend) stellte das integrative Wohnkonzept vor.

über 60 BesucherDas Thema stieß auf großes Interesse, das Gespräch verlief positiv und optimistisch.

Besichtigung HoffnungshäuserVor dem Gespräch gab es eine Kurzbesichtigung der zwei Häuser in der Max-Planck-Straße.