Förster Michael Bruder, Vize-Forstamtsleiter Andreas Roth und Bürgermeister Helge Viehweg (vorne von links) gingen bei der Waldtour voran. Fotos: Gemeinde

Waldbegehung: Die Mischung macht’s

Gemeinderat nimmt mit Förster und Bürgern den Gemeindewald unter die Lupe – Naturverjüngung mit verschiedenen Baumarten als Ziel

Schon länger hat es keine Waldbegehung des Straubenhardter Gemeinderats gegeben. Umso mehr freute sich Bürgermeister Helge Viehweg, dass rund 40 Bürger und auch neu gewählte Gemeinderäte gekommen waren. „Wir haben einen gesunden Wald, der wächst“, sagte er. Jedoch mache sich der vergangene Dürresommer auch hier bemerkbar. Wo und wie den Herausforderungen im Zuge des Klimawandels und der Wetterextreme begegnet werden soll, erklärten Gemeindeförster Michael Bruder und der stellvertretende Forstamtsleiter Enzkreis, Andreas Roth, bei der gut zweistündigen Tour.

Besucher am Start der WaldbegehungErfreulich viele Bürger und Gemeinderäte - auch die neu gewählten - nahmen teil.

Rund 1000 Hektar umfasse der Straubenhardter Wald, sagte Bruder zum Einstieg. Davon wurden 14 Hektar stillgelegt, neun Hektar machen Naturschutzgebiete aus. Der durchschnittliche Holzvorrat sei von 370 auf 460 Festmeter pro Hektar erhöht worden. Im Vergleich: Der Durchschnittswert liege bei 350 Hektar Festmetern. „Dass er in Straubenhardt deutlich höher ist, liegt an der Baumzusammensetzung“, ergänzte Roth. Es gebe überwiegend Nadelholz (58 Prozent), den größten Anteil habe die Weißtanne (26 Prozent), gefolgt von der Buche (23) und der Fichte (21), die in den letzten Jahren bereits um sieben Prozent reduziert wurde. „Wichtig ist uns ein gemischter Wald und dass wir unsere Baumarten verjüngen“, sagten Bruder und Roth. Fichten seien besonders anfällig bei Trockenheit, aber wichtig als Bauholz. Daher soll es auch künftig ein paar geben – aber nicht als alleinige Art. „Wir setzen stark auf die Tanne und Buche“, so die Experten. Neben heimischen Bäumen seien auch exotische wie Douglasien vorgesehen. Eine Freifläche, die aufgrund des Borkenkäfers entstanden ist, wurde 2018 bereits mit Douglasien bepflanzt. Damit Rehe die jungen Bäume mit ihrem Gehörn nicht beschädigen, wurde neben jedem Jungbaum ein Pflock angebracht.

Roth neben DouglasieNeben Weißtannen setzt Andreas Roth auch auf Douglasien. Damit Rehe den jungen Baum nicht beschädigen, wurde ein Pflock daneben gesetzt.

Immer wieder machte der Trupp Halt, etwa bei Flächen mit 80-jährigen Beständen, die zu verjüngen sind, oder bei bis zu 200 Jahre alten Buchen, die erfasst wurden, um sie dauerhaft zu dokumentieren und zu schützen. „Der Schwarzspecht braucht zum Beispiel alte Buchen“, sagte Roth. Angesprochen wurden auch das Thema Jagd und Tiere. Entgegen des Luchses, der vor Ort nicht heimisch sei, gebe es Dachse und Füchse wie Sand am Meer. Ebenso Wildschweine: „Im Wald sind sie aber willkommen“, so der Förster, würden sie doch den Boden in Bewegung bringen. Am Schluss ging er noch auf die Verkehrssicherung ein. Zwei Mal im Jahr laufe er Bereiche um Bänke, Straßen oder den Waldkindergarten ab, um sie auf Gefahren hin zu prüfen. Im Zuge des heißen Sommers 2018 würden Buchen sterben und Äste brechen. „Das ist alles mit Kosten und Aufwand verbunden“, so Bruder. Doch das Anspruchsverhalten der Menschen im Wald werde immer höher und die Gemeinde sei verkehrssicherungspflichtig.

GR mit FörsterAuf die Entwicklung des Straubenhardter Waldes und die Herausforderungen im Zuge des Klimawandels gingen Vize-Forstamtsleiter Andreas Roth und Gemeindeförster Michael Bruder (von links) bei dem jüngsten Gang durch den Wald ein.